Stadtbücherei: Sanierung beschlossen – Standort- und Zukunftsfragen bleiben offen
Kaum politische Diskussion im Bauausschuss
Im Bauausschuss wurde die Sanierung und Modernisierung der Stadtbücherei am bisherigen Standort auf den Weg gebracht. Eine vertiefte politische Diskussion über Standort, Alternativen, Folgekosten und Zukunftskonzept fand nach unserer Wahrnehmung jedoch nicht statt. Damit wurde ein Thema, das weit über bauliche Fragen hinausgeht, im Wesentlichen als Förder- und Sanierungsmaßnahme behandelt.
Standortfrage bleibt nicht nachvollziehbar
Aus unserer Sicht bleiben bei der Standortfrage zentrale Punkte offen. Die Verwaltung sollte prüfen, ob es alternative Standorte im Zentrum von Hausberge gibt – ausdrücklich mit dem Ziel, die Innenstadt zu beleben und die Stadtbücherei sichtbarer zu machen.
In den öffentlich zugänglichen Unterlagen wurde am Ende jedoch nur mitgeteilt, dass aktuell kein anderer Standort zur Verfügung stehe. Zugleich wurde angekündigt, hierzu im nichtöffentlichen Teil des Bauausschusses weiter auszuführen. Nach Rücksprache mit unserem Vertreter im Bauausschuss erfolgte dort jedoch keine weitere Erläuterung der Standortprüfung.
Damit bleibt nicht nachvollziehbar, welche Standorte konkret geprüft wurden, nach welchen Kriterien sie bewertet wurden und warum sie nicht infrage kommen. Für eine Entscheidung mit langfristiger Wirkung ist das zu wenig.
Die Abstimmung im Bauausschuss fiel am Ende einstimmig für Variante 1 aus, also für die Fortführung des Projektes am bisherigen Standort. Auch wir haben dieser Variante zugestimmt, weil die bewilligte Förderung, der enge Zeitplan und die bereits entstandene Projektlogik nicht einfach ausgeblendet werden können. Gerade deshalb hätten wir aber eine transparentere Erläuterung und eine nachvollziehbare politische Abwägung erwartet.
Denn mit der Durchführung des Förderprojektes am bisherigen Standort entsteht zumindest für geförderte bauliche Maßnahmen eine Zweckbindung. Eine spätere Standortveränderung könnte Rückzahlungen auslösen. Der bestehende Handlungsdruck erklärt also, warum Variante 1 naheliegt – er ersetzt aber keine strategische Debatte darüber, welche Rolle die Stadtbücherei künftig in Porta Westfalica übernehmen soll.
Eine Bücherei ist mehr als ein Gebäude
Eine Stadtbücherei ist heute mehr als ein Ort der Medienausleihe. Sie kann Lernort, Treffpunkt, Kulturort und niedrigschwelliger Zugang zu Bildung, digitaler Teilhabe und Begegnung sein. Deshalb darf eine solche Entscheidung nicht allein als baulich-technische Fördermaßnahme behandelt werden.
Eine Sanierung kann sinnvoll sein. Aber sie ersetzt keine Strategie.
Unsere Erwartung bleibt: Wer heute über Standort und Gebäude entscheidet, muss auch offen darlegen, welche Alternativen geprüft wurden – und welche Aufgabe diese Stadtbücherei in den nächsten zehn bis fünfzehn Jahren für Porta Westfalica erfüllen soll.