Schnellschuss mit Ansage
Nach Jahren intensiver Diskussionen um fehlende Kitaplätze droht in Porta Westfalica nun erstmals die gegenteilige Entwicklung:
Eine Kindertageseinrichtung steht aufgrund sinkender Kinderzahlen vor der Schließung. Konkret geht es um die Zukunft der evangelischen Kita in Holtrup. Über deren endgültiges Aus soll in einer kurzfristig anberaumten Sondersitzung des Jugendhilfeausschusses entschieden werden.
Für die Wählergemeinschaft Porta (WP) kommt dieser Schritt deutlich zu früh. Sie spricht sich klar gegen eine übereilte Schließung zum 31.07.2027 aus und fordert eine Beschlusssperre im Jugendhilfeausschuss. Ziel ist es, zu verhindern, dass vorschnell Fakten geschaffen werden, die später kaum noch korrigiert werden können.
Familien zahlen den Preis
„Hier geht es nicht nur um Zahlen, sondern um Familien“, betont Fraktionsvorsitzender Dietmar Lehmann.
Gespräche vor Ort hätten gezeigt, wie groß die Verunsicherung sei. Viele Eltern befürchten spürbare Einschnitte in ihrem Alltag – von längeren Fahrtwegen über zusätzliche Kosten bis hin zu erheblichem organisatorischem Aufwand.
Je nach Wohnort können sich die täglichen Wegezeiten dabei um bis zu 10 bis 20 Minuten pro Strecke verlängern. Besonders betroffen wären Alleinerziehende sowie Familien mit eingeschränkter Mobilität. Selbst wenn gesetzliche Zumutbarkeiten eingehalten werden, werden diese im Alltag schnell zur praktischen Herausforderung.
Wenn Infrastruktur verschwindet, folgen Familien
Zugleich ist die Kita in Holtrup weit mehr als eine reine Betreuungseinrichtung. Sie ist ein zentraler Bestandteil des dörflichen Lebens und ein wichtiger Standortfaktor. Gerade im ländlichen Raum entscheidet eine wohnortnahe Kinderbetreuung maßgeblich darüber, ob Familien bleiben oder wegziehen.
Stückwerk statt Strategie?
Vor diesem Hintergrund fordert die WP eine langfristig angelegte Strategie für eine bedarfsgerechte Kita-Landschaft in Porta Westfalica. Ziel muss eine flächendeckende, verlässliche und qualitativ hochwertige Betreuung sein.
Der Erhalt von Einrichtungen darf dabei nicht allein von der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit einzelner Träger abhängen. Die Stadt steht in der Verantwortung, eine ausgewogene Versorgung in allen Ortsteilen sicherzustellen.
Für die WP ist daher klar: Einzelentscheidungen greifen zu kurz. Es braucht eine vorausschauende Gesamtplanung. In die Bedarfsplanung müssen neben reinen Fallzahlen auch strukturelle und soziale Faktoren einbezogen werden. Ebenso ist eine frühzeitige und transparente Einbindung von Eltern und Trägern unerlässlich.
Folgen für das Gesamtsystem bleiben unklar
Zudem ist bislang nicht transparent dargestellt worden, welche Auswirkungen eine Schließung auf die Auslastung der übrigen Kitas im Stadtgebiet hätte. Die mögliche zusätzliche Belastung anderer Einrichtungen sowie die Verteilung der Kinder auf verbleibende Plätze sind aus Sicht der WP bislang nicht ausreichend belastbar geprüft worden.
Hinzu kommt: Ein verlässlicher öffentlicher Nahverkehr, der eine tägliche Kita-Anbindung sicherstellt, ist in Porta Westfalica vielerorts nicht gegeben. Für Familien ohne eigenes Auto kann der Zugang zu einer wohnortfernen Betreuung dadurch erheblich erschwert werden.
„Wir reden hier nicht über abstrakte Bedarfszahlen, sondern über reale Zugänge zur Betreuung. Wo verlässlicher Nahverkehr fehlt, wird eine weiter entfernte Kita schnell zur praktischen Hürde – gerade für Familien ohne eigenes Auto.“ — Klaus-Dieter Vogt
Jetzt stoppen – und strukturiert vorgehen
Die WP fordert daher, die Entscheidung in der anstehenden Sondersitzung auszusetzen und die gewonnene Zeit gezielt zu nutzen: für eine belastbare Folgenabschätzung, für die Prüfung der Auswirkungen auf andere Einrichtungen sowie für ein strukturiertes Verfahren zur Gewinnung möglicher neuer Träger.
Darüber hinaus spricht sich die WP für die Einberufung eines Kita-Gipfels aus. Ein solches Format wurde in Porta Westfalica bereits politisch beschlossen und hat sich als geeignet erwiesen, um gemeinsam mit Verwaltung, Trägern und Politik strategische Fragen der Kinderbetreuung zu beraten.
Gerade vor dem Hintergrund veränderter Bedarfe braucht es nun erneut eine solche gemeinsame Abstimmung, um tragfähige Lösungen für die gesamte Kita-Landschaft in Porta Westfalica zu entwickeln.
„Es dürfen jetzt keine Fakten geschaffen werden, die sich später nicht mehr korrigieren lassen“, so Ausschussmitglied Klaus-Dieter Vogt.
Es geht um mehr als eine einzelne Einrichtung – es geht um verlässliche Bildungsorte und stabile Betreuungsstrukturen in unseren Ortsteilen.