KiTa ohne Kinder – wenn weniger Kinder zum Problem werden von Dietmar Lehmann
Noch vor wenigen Jahren bestimmten Wartelisten, fehlende Betreuungsangebote und der Ruf nach mehr Kita-Plätzen die kommunalpolitische Debatte. Erst im vorletzten Jahr wurde daher der Neubau einer viergruppigen Kita in Barkhausen beschlossen. Nach Jahren des Mangels droht in Porta Westfalica nun das Gegenteil: Sinkende Geburtenzahlen führen dazu, dass Plätze ungenutzt bleiben.
Die Folgen sind bereits spürbar: Einrichtungen wie die Kita Holtrup stehen vor dem Aus, Notgruppen werden aufgelöst, Kitas werben aktiv um Kinder. Für betroffene Familien bedeutet eine Schließung längere Wege, höhere Kosten und zusätzlichen organisatorischen Aufwand – Betreuung wird zur Belastungsprobe. Gleichzeitig wächst für Fachkräfte die Unsicherheit um ihre Arbeitsplätze. Sinkende Auslastungszahlen führen zudem aufgrund landesrechtlicher Regelungen zu geringeren finanziellen Mitteln für die Träger, was die Situation weiter verschärft. Auch die kommunale Jugendhilfeplanung steht damit vor neuen Herausforderungen. Nicht zuletzt droht bei freien Plätzen ein zunehmender Wettbewerb zwischen Kitas und Tagespflege.
Dabei stehen wir erst am Anfang dieser Entwicklung. Weniger Kinder müssen nicht zwangsläufig weniger Angebote bedeuten. Im Gegenteil: Jetzt wäre der richtige Zeitpunkt, die Qualität frühkindlicher Bildung gezielt zu verbessern – durch kleinere Gruppen, bessere Betreuungsschlüssel und mehr Zeit für jedes einzelne Kind. Auch Fachkräfte könnten so spürbar entlastet werden, statt zwischen Überlastung und Arbeitsplatzangst zu stehen.
Doch genau dafür fehlt bislang der politische Wille auf Landesebene. Die Kita-Finanzierung bleibt unzureichend, Kommunen und Träger werden mit den Folgen rückläufiger Kinderzahlen weitgehend allein gelassen. Statt in Qualität zu investieren, wird Infrastruktur abgebaut – mit der Folge wachsender regionaler Ungleichheiten zulasten von Familien und Fachkräften.
Kreative Lösungen statt Rückzug
Selbstverständlich müssen sich Kommunen der Realität sinkender Kinderzahlen stellen. Doch die entscheidende Frage ist angesichts der drohenden Schließung der KiTa Holtrup jedoch nicht, wie viele Kitas wir uns noch leisten können, sondern wie wir auch bei geringerer Auslastung eine verlässliche Betreuung in der Fläche sichern. Im Zentrum steht die Zukunft der kommunalen Daseinsvorsorge für Familien, insbesondere in Ortsteilen mit Bevölkerungsrückgang. Es geht nicht nur um längere Fahrzeiten, sondern auch um die Attraktivität ganzer Ortsteile in Randlage. Wohnortnahe Betreuungsangebote tragen dazu bei, Abwanderung zu bremsen, Familien zu binden und gleichwertige Lebensverhältnisse zu sichern.
Forderung nach politischer Debatte
Es ist davon auszugehen, dass der Betreuungsbedarf in den kommenden Jahren weiter sinken wird. Damit nicht weitere Kita-Standorte verloren gehen und ein ausgewogenes Angebot erhalten bleibt, ist jetzt ein abgestimmtes Handeln von Politik, Verwaltung und Trägern für das gesamte Stadtgebiet erforderlich. Vorschnelle Entscheidungen – wie die geplante Schließung der Kita Holtrup – sind dabei wenig zielführend.
Im konkreten Fall der Kindertageseinrichtung Holtrup ist zunächst eine belastbare Bewertung der Auswirkungen erforderlich, sollte die Einrichtung geschlossen werden. Darüber hinaus sind alternative Trägermodelle zu prüfen. U.a. gilt es, neue Formen der Zusammenarbeit zu entwickeln – etwa durch Verbundlösungen. Auch über eine mögliche Fortführung der Einrichtung als Elterninitiative sollte – bei entsprechender Unterstützung durch die Stadt – nachgedacht werden.
Erst wenn diese Fragen geklärt sind und sich keine tragfähige Lösung für den Erhalt der Kita Holtrup abzeichnet, sollte ein Interessenbekundungsverfahren eingeleitet werden. Dabei sollte sichergestellt werden, dass ein potenzieller neuer Träger das bisherige Personal übernimmt.
Fest steht: Die anstehenden Aufgaben lassen sich nur im gemeinsamen Dialog bewältigen. Neben der Aussetzung der aktuellen Beschlusslage zum vorschnellen Aus der KiTa Holtrup sollte daher zeitnah ein strukturierter Dialogprozess unter Beteiligung aller relevanten Akteursgruppen initiiert werden. Ziel ist es, zeitnah tragfähige und zukunftsorientierte Lösungen für den KiTa-Standort Holtrup und für die Kindertagesbetreuung in unserer Stadt insgesamt zu entwickeln.
26.03.2026